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Fragen für Eltern

Mobbing ist ein phasenorientiertes und gruppendynamisches Gewaltphänomen, das sich grundsätzlich nur in Zwangskontexten, also beispielsweise in der Kindergartengruppe, der Schulklasse, dem Sport- oder Musikverein, oder auch dem Arbeitsplatz, entfalten kann.

Um von Mobbing zu sprechen, müssen folgende Fragen geklärt werden?

  1. Liegt ein Zwangskontext vor?
  2. Gibt es ein Machtungleichgewicht?
  3. Steckt Absicht dahinter?
  4. Kann man von Wiederholung sprechen? und
  5. ist von einer Hilflosigkeit der betroffenen Person auszugehen?

Dann muss geprüft werden, ob und in welcher Phase sich Mobbing befindet?

  1. Testphase
  2. Konsolidierungsphase
  3. Manifestationsphase

Diese Fragen können aber nicht "außen" beantwortet werden, weil um Mobbing eine "Schweigemauer" herrscht, sondern nur in und mit der Gruppe bzw. Klasse oder direkt im Arbeitsumfeld. Daher sind alle Aussagen "Hier wir gemobbt!" oder auch "Hier gibt es kein Mobbing!" mit Vorsicht zu genießen, weil erst durch eine professionelle und vor allem systemische Ist-Zustands-Analyse, kann man die Frage "Gibt es in dieser Gruppe oder Klasse Mobbing?" korrekt beantworten und die passenden Maßnahmen ergreifen.

Weil aber die österreichischen Politiker:innen kaum Interesse an einer professionellen, wirksamen und vor allem unabhängigen Auf- und Bearbeitung des Themas Mobbing – wie auch beispielsweise des Themas sexualisierte Gewalt, patriarchale Gewalt oder auch Radikalisierung – haben, wird auch das Gewaltphänomen Mobbing als "Randthema" betrachtet.

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

No Go Nr. 1:

Hinweise von Opfern oder Beobachter:innen nicht überprüfen

Wissenschaftliche Untersuchungen, beispielsweise von Wilfried Schubarth, ergaben, dass Mobbing in der Schule zum einen von Pädagog:innen schwer zu erkennen ist und zum anderen, Hinweisen darauf zu oft nicht nachgegangen wird.

Spruch: „Gut gemachtes Mobbing erkennst du nicht!“

No Go Nr. 2:

Allein auf Opfer-Coaching vertrauen

Nicht mit der Klasse arbeiten

Natürlich ist es wichtig, mit dem Opfer Gespräche zu führen. Je nach Heftigkeit des Mobbings und der Vulnerabilität des Opfers kann es zu schweren psychischen und körperlichen Schädigungen kommen, bis hin zur Suizidalität.

Gleichzeitig ist klar: Mobbing ist ein systemisches Phänomen, das nur im systemischen Kontext, also unter Einbeziehung aller Beteiligten, bearbeitet werden kann.

No Go Nr. 3:

Opfer und Täter oder deren Eltern zu Klärungsgesprächen zusammenbringen

Die Devise: „sprechen hilft“ um Konflikt und Gewalt zu vermeiden oder zu beenden hat in manchen Konfliktgeschehnissen sicherlich einen Nutzen. Nicht aber bei Mobbing!

Erfahrungsgemäß führt diese Strategie zu einer Verschlimmerung der Situation und zur Verschlechterung des Opferschutzes. Entsprechend dem Drama-Dreieck „Opfer-Täter-Retter“ versuchen die Mobber:innen in aller Regel ihr Verhalten zu erfolgreich zu rechtfertigen und sich als eigentliche Opfer zu stilisieren.

No Go Nr. 4:

Unüberlegte Anzeige bei der Polizei gefährdet den Opferschutz

Eine polizeiliche Anzeige muss vor allem unter dem Gesichtspunkt des Opferschutzes gut abgewogen und überlegt sein. Das heißt im jeweiligen Fall gut zu analysieren und zu prüfen!

Generell darf eine polizeiliche Anzeige nicht von vorneherein ausgeschlossen werden, ebenso wie sie nicht von vorneherein feststehen darf. Es kommt auf die Umstände an.

No Go Nr. 5:

Eltern in ihrer Emotion allein lassen

Wenn Eltern davon erfahren, suchen sie einen Schuldigen; das sind die:der Mobber:in, die Eltern, die Pädagog:innen und die Schule.

Wenn sie das Thema öffentlich machen, ohne eine Lösungsstrategie mit der Schule zu verfolgen, zerstören sie die Souveränität des eigenen Kindes in der Peergroup!

No Go Nr. 6:

Pädagog:innen decken im Alleingang das Mobbing auf und drohen mit Konsequenzen … ,

bevor mit der Klasse gearbeitet und ein Peerunterstützungssystem implementiert ist.

Mobbing ist nicht die Tat eines Einzelnen, sondern das Ergebnis eines Gruppenprozesses. Deshalb ist es unangemessen, einen Einzelnen zu bestrafen.

Assistent:innen und Verstärker:innen – und auch die Desinteressierten und Untätigen – tragen ebenfalls Verantwortung.

No Go Nr. 7:

Fehlende pädagogische Präsenz und Nachsorge nach der Intervention

Nach einer Mobbing-Intervention besteht eine hohe Rückfallgefahr, insbesondere nach langanhaltendem, manifestem Mobbing. Mobbing war zum stabilisierenden Faktor des Systems geworden, der jetzt wegfällt.

Ehemalige Mobber:innen können ihre Bedürfnisse nach Macht, Anerkennung, Spaß etc. nicht mehr auf dem gewohnten Weg befriedigen.

No Go Nr. 8:

Verantwortungszuweisungen an Opfer für die Gewalt, verstärken die Mobbingdynamik

Manchmal verhalten sich Opfer seltsam. Ihr Handeln bleibt unverständlich, stört auch Erwachsene und veranlasst diese zu Aussagen wie: „Die:Der muss sich nicht wundern, dass sie:er manchmal so behandelt wird“, „Die:Der scheint die Opferrolle ja zu genießen“, oder: „Die:Der ist ja selber schuld, wenn (...)“.

Manche Mitschüler:innen interpretieren solche mehr oder minder subtilen Aussagen der Erwachsenen als Freibrief für ihre Schikane.

No Go Nr. 9:

Opfer zu Gegengewalt auffordern

Natürlich ist es die Aufgabe und meist auch das Bedürfnis jedes Menschen, sich selbst zu behaupten, auch gegen Schikane. Im Fall systematischer Schikane, wie bei Mobbing, ist das Opfer den Mobber:innen jedoch immer an Macht unterlegen. Die Mobber:innen werden dies deutlich machen und sich ihre Macht nicht nehmen lassen.

Wird das Opfer zur Gegenwehr aufgefordert, eskaliert die Gewalt jedoch nur!

No Go Nr. 10:

Ohne fachliche Expertise mit der Klasse die konkreten Mobbinggeschehnisse öffentlich erörtern

Mobbing besitzt eine spezielle Dynamik. Eine Intervention, die dieser Dynamik konstruktiv begegnen will, ist notwendigerweise hoch strukturiert. Bloßes Diskutieren ohne Konzept verschlimmert die Lage.

Es wird eine Bühne geschaffen, auf der die Mobber:innen sich rechtfertigen und profilieren können!

No-Go Nr. 11: Vorbeugen statt intervenieren

Unterrichtsprojekte, die universell-präventiv einseitig auf Aufklärung und Wissensvermittlung setzen, stoppen konstituiertes und manifestes Mobbing nicht, machen Mobber:innen klüger und schaden den Opfern!

Wirksame Interventionsmaßnahmen sind langfristig angelegt, beziehen die ganze Klasse bzw. Gruppe ein, umfassen wirksame Verhaltensregeln, beziehen die Emotionen mit ein, sodass Mitgefühl entstehen kann, und stellen den Opfern anschließend Helfer zur Seite. Bloße Wissensvermittlung greift viel zu kurz!

No-Go Nr. 12: Bagatellisieren

„Sie/Er scheint ja seine Opferrolle zu genießen!“

„In der Pubertät geht es eben auch mal rauer zu!“

Die seelischen Auswirkungen von Mobbing sind gravierend und dürfen nicht verharmlost werden.

No-Go Nr. 13: Die Ablehnungsfalle

Die Mobber:innen dürfen nicht das Gefühl bekommen, dass man sie oder ihre Bedürfnisse ablehnt. Abgelehnt wird nur ihr destruktives Verhalten. Auch wenn Mobber:innen (und das gilt insbesondere für die Opfer) noch so „schwierig“ sind, haben sie keine Ablehnung verdient.

No-Go Nr. 14: Die Verständnisfalle

Auf wenn das Mitgefühl mit dem Opfer noch so groß ist, darf es gegenüber den anderen in der Klasse keine Sonderrechte bekommen.

Auch wenn das Verständnis für die Wut und die Bedürfnisse der Mobber:innen noch so groß ist: Jeder Mensch hat das Recht auf seelische und körperliche Unversehrtheit und das Recht auf Eigentum. Diese Grundrechte gelten für alle.

No-Go Nr. 15: Mit Schuldzuweisungen und Vorwürfen arbeiten

Egal wie sich das Opfer verhält, es ist nicht selbst schuld an den Attacken. Niemand hat verletzende Verhaltensweisen verdient. Die Verantwortung dafür tragen immer die Angreifer.

Wenn das Opfer die Angriffe verschwiegen hat, dürfen keine Vorwürfe gemacht werden, z.B. „Wir sind doch deine Eltern/Pädagog:innen. Uns kannst du doch vertrauen. Wieso hast du dich denn nicht gewehrt. Du hättest etwas sagen sollen.“

Die Angst davor, dass dann alles nur noch schlimmer wird, und die Scham vor der Opferrolle, sind ernst zu nehmen. Auch die Mobber:innen sind irgendwann Gefangene des Systems Mobbing.

Durch Schuldzuweisungen ziehen sie sich zurück, fühlen sich als Person abgelehnt und reagieren noch aggressiver als vorher.

Auch den Mitläufern und Zuschauern dürfen keine Vorwürfe gemacht werden. Sie wissen nicht genau, was sie tun sollen, wollen keine „Petzen“ sein und haben Angst davor, selbst angegriffen zu werden.

No-Go Nr. 16: Dem Opfer keinen Glauben schenken

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Opfer sein Leid verschweigt, ist erheblich größer als die Gefahr der Dramatisierung. Kindern, die sich offenbaren, sollte daher Glauben geschenkt werden. Bestehen dennoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers, bringen Fragen zu den Details der Attacken meist die gewünschte Klarheit (Plausibilitätstest).

No-Go Nr. 17: Nach Schuldigen fahnden

Am System Mobbing sind viele beteiligt. Einzelne Hauptakteur:innen zu identifizieren, wird der Dynamik von Mobbing in der Regel nicht gerecht, sondern gibt den Hauptakteur:innen eine „Bühne“, um sich zu profilieren und zu rechtfertigen und steigert deren Aggressionen.

No-Go Nr. 18: Mit der:m Mobber:in und Opfer gemeinsam über das Thema sprechen

Mobber:innen dominieren das Gespräch, sind gewarnt und attackieren zukünftig in unkontrollierten Räumen. Bei mehreren Mobber:innen wird eine Überzahlsituation und -dynamik hergestellt. Da Mobbing ein systemisches Problem ist, kann es nicht mit zweiseitigen Gesprächen beendet werden.

No-Go Nr. 19: Die:Den Mobber:in bestrafen

Die Bestrafung ändert nichts an der mangelnden Empathie für das Opfer und an den massiven Rechtfertigungsstrategien. Sie gäbe den Mobber:innen einen zusätzlichen Grund, erneut auf das Opfer loszugehen: sich für die Bestrafung zu rächen.

In der Konsolidierungs- und der Manifestationsphase besteht die Gefahr der verstärkten Solidarisierung der Mitschüler:innen mit den Mobber:innen. Eine Ausnahme bilden Situationen, in denen von den Mitschüler:innen eine klare Reaktion vonseiten der Erwachsenen erwartet wird.

No-Go Nr. 20: Nur Einzelgespräche mit dem Opfer führen

Einzelgespräche ändern nichts daran, dass das Opfer gegen die Übermacht der Gruppe keine Chance hat. Wenn es von den Gruppenmitgliedern keine Unterstützung bekommt, wird die Schikane durch Einzelgespräche auch nicht beendet.

Gleichzeitig fühlen sich die Mobber:innen durch die Einzelgespräche verraten und haben das Gefühl, dass hinter ihrem Rücken „etwas läuft“ und reagieren noch aggressiver. Einzelgespräche haben ihren Sinn lediglich in der Vorbereitung einer Mobbingintervention.

No-Go Nr. 21: Mit der Klasse das Problem „diskutieren“

Schafft eine Bühne für die Mobber:innen, auf der sie sich profilieren können und die „Puppen“ tanzen lassen.

No-Go Nr. 22: Dem Opfer keine Unterstützung zur Seite stellen

Mobbing hat – so könnte man sagen – „Tradition“. Allerdings hat das Mobbing der Vergangenheit nichts mehr mit dem heutigen Mobbing zu tun. Früher war es vielfach beispielsweise bei Kindern und Jugendlichen auf den Schulhof begrenzt und zumeist ältere SchülerInnen haben sich einen „Spaß“ gemacht.

Heute ist Mobbing ein zeitlich, räumlich und inhaltlich entgrenztes Gewaltphänomen, das in Form verbaler, körperlicher sowie seelischer Gewalt mit Absicht und Wiederholung über Monate und Jahre zu einer Hilflosigkeit des Opfers, zu massiven kognitiven und emotionalen Störungen und zu ausgeprägten Krankheitsbildern der Betroffenen und als letztem Ausweg aus dieser Ohnmacht zu Suizid führt.

Um Mobbing vorzubeugen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

Eltern, die Kinder "autoritativ" erziehen, d.h., autoritative Eltern sind für ihre Kinder zugänglich, emotional warm, lassen ihnen Autonomie innerhalb klar gesetzter Grenzen und setzen diese Grenzen auch konsequent um (Kontrolle).
 
Sie erziehen gern mit Lob und Ermutigung und geben für ihre Grenzsetzung und Anforderungen rationale Argumente, sofern sie von den Kindern nachvollziehbar sind.

Die Einstellung sich autoritativ verhaltender Eltern ist dadurch gekennzeichnet, dass sie ihren Kindern eine hohe Wertschätzung entgegenbringen und „ihre Anforderungen immer wieder, aber nicht nach Zufall und nicht nach Lust und Laune, den neuen Umständen anpassen“, womit auch die Übergangsphase vom Kindes- ins Jugendalter eingeschlossen ist.

Kindorientierung ist als eine grundlegende erzieherische Haltung zu verstehen, die an den allgemeinen entwicklungsbezogenen Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet ist und auf den Nachvollzug der kindlichen Perspektive abzielt.

Damit ist keineswegs intendiert, die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder automatisch zu übernehmen!

Die positiven Effekte eines autoritativen Verhaltens von Eltern auf soziale Kompetenzen, Verantwortlichkeit, Selbstständigkeit und Interessiertheit von Kindern wurden in verschiedenen Studien bestätigt!

Eltern können dann ihr Kind, ihre Kinder, vor Mobbing gut schützen, wenn sie die Bereitschaft und die Wahrnehmung haben, emotional verfügbare Bezugspersonen zu sein, sich also die Zeit nehmen, aktiv zuzuhören, bewertungsfreie Fragen zu stellen, ihre Emotionen im Griff haben und anstatt nach Schuldigen, nach Lösungen suchen.

Die größte Angst vor den Eltern haben die Kinder deshalb, weil sie von klein auf, oder über ihre Geschwister gelernt haben, dass ihre Eltern bei unangenehmen Informationen oder Situationen emotional reagieren und dabei gleichzeitig Schritte setzen – wie z.B. die Pädagog:innen, die Schulleiter:innen oder andere Eltern anrufen oder anschreiben und somit beispielsweise die Mobbingsituation "öffentlich" machen und damit die Souveränität ihres eigenes Kindes im Zwangskontext Kindergartengruppe oder Schulklasse zerstören bzw. die Mobbingsituation für das eigene Kind schlimmer/schlechter (Aussagen der Kinder) machen.

Eltern geben – wie Pädagog:innen übrigens auch – schlechte Rat-Schläge. Sie sagen beispielsweise "Es wird schon wieder!", "Geh der/dem aus dem Weg!", "Mach dir nichts draus!", "Ignoriere das einfach!", "Wehre dich" uam. Leider helfen Kindern und Jugendlichen im Zwangskontext (Zwangsgemeinschaft) ab dem Kindergarten diese Rat-Schläge nicht wirklich – wie mir das Kinder bereits ab der 1. Volksschulklasse sagen – sodass sie sich selbst Anpassungs- und Vermeidungsstrategien (Bewältigungsstrategien) (an-)erlernen müssen.

Schlechte Rat-Schläge sind aber auch Vorwürfe, z.B. "Warum sagst du das mir/uns erst jetzt?", die Situation nicht ernst genug wahrnehmen, wie z.B. "Dazu gehören immer zwei!" oder "Vertragt euch wieder!" uam.

Eine Erziehung, die Kinder stärkt, motiviert, ermutigt, sie durch Grenzsetzungen aber auch Frustrations- und Ambiguitätstoleranz, Selbstkontrolle und kognitive wie emotionale Empathiefähigkeit erlernen lässt, es braucht Eltern als emotional verfügbare Bezugspersonen mit aktivem Zuhören und Eltern, die die eigenen Emotionen selbst im Griff haben und nicht über die Kinder "ent-sorgen" und wenn schon Ratschläge, dann solche, die wirksam sind und auch (nach-)kontrolliert bzw. (nach-)besprochen werden.

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Diese Frage wurde anonym gestellt, sodass ich nicht direkt antworten kann. Wenn Sie als Betroffene diese Antwort lesen, schreiben Sie mir ein Mail oder rufen mich bitte an, weil die Antwort ist abhängig davon, was Sie unter "drohen" verstehen bzw. welche Drohungen gegen Sie gemacht werden; ist selbstverständlich vertraulich! Wenn diese Drohungen geeignet sind, – wie es im § 107 Strafgesetzbuch heißt – Sie in Furcht und Unruhe zu versetzen, wenden Sie sich direkt an die Polizei!

LG Günther Ebenschweiger

Kinder – in diesem Fall ein:e Jugendliche:r – erlernen bereits im Kindergartenalter Bewältigungsstrategien gegen Ausgrenzung und Mobbing, weil mehrere entwicklungs-, sozial- und umweltbezogene Faktoren gleichzeitig wirken. Das geschieht meist unbewusst, ist aber für ihre weitere Entwicklung sehr prägend.

Soziale Gruppenerfahrungen beginnen sehr früh
Im Kindergarten erleben Kinder zum ersten Mal stabile Peer-Gruppen. Zugehörigkeit bedeutet Sicherheit, Spielmöglichkeiten und Anerkennung. Schon kleine Formen von Ausgrenzung („Du darfst nicht mitspielen“) erzeugen emotionalen Stress und Kinder reagieren darauf mit ersten Anpassungs- oder Schutzstrategien.

Kinder besitzen zwar noch keine reflektierten Strategien, aber ihr Nervensystem reagiert klar mit früh entwickelte Stress- und Schutzmechanismen, wie Rückzug oder Verstummen, übermäßiges Anpassen („Ich mache alles, damit ich dazugehören darf“), Aggression oder Gegenangriff oder auch Vermeidung bestimmter Kinder oder Situationen und diese Reaktionen sind Überlebensstrategien, kein „Fehlverhalten“.

Das heißt: Bewältigungsstrategien entstehen durch Lernen am sozialen Erfolg oder Misserfolg!

Mein Rat beim Klassen- oder Schulwechsel ist:
Kinder oder Jugendliche, die Mobbingerfahrungen bereits in einer Konsolidierungsphase gemacht haben – es gibt nicht nur eine Mobberin oder einen Mobber, sondern bereits eine Gruppe von Schüler:innen, die da mitmachen – brauchen a) persönlich psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung und b) für die neue Klasse einen Start mit zumindest zwei Buddies, also Schüler:innen, die sie in die neue Klasse einführen und sie somit in der vorhandenen Gruppendynamik unterstützen. Das ist deshalb wichtig, weil sich sonst das Mädchen oder der Bub – nach den Worten der Schüler:innen – seltsam, komisch, arrogant verhält und die Gefahr sehr groß ist, wieder zum Mobbing-Betroffenen zu werden.

Dazu sollte zuerst mit der Klassenvorständin, dem Klassenvorstand, Kontakt aufgenommen werden, dass Thema Mobbing sollte angesprochen werden, darf aber unter keinen Umständen erwähnt werden. Die:der verantwortliche Pädagog:in sollte sich auch mit den beiden Buddies regelmäßig austauschen und auch nur bei kleinsten Warnsignalen sofort reagieren.

Meine Haltung ist die, dass, bevor Schüler:innen die Klasse bzw. die Schule verlassen (müssen), mit einem "Achtung-Mobbing!"-Training das Mobbing beendet wird und in massiven Fällen, nicht die Opfer, sondern die Mobber:innen die Klasse bzw. Schule zu verlassen haben.

Das Herausnehmen eines Mobbing-Opfers hat nämlich fatale Folgen für das junge Opfer, es wird durch diese Handlung "sekundärviktimisiert", also als Opfer, nochmals zum Opfer, die übrige Klasse hat "gelernt", dass – wenn ich es sage – mein soziales Umfeld verlassen werde müssen und die Mobber:innen haben gelernt, dass sie "unverwundbar" sind und sich sofort ein neues Mobbing-Opfer suchen!

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Dem Mythos, dass Schulen Schuld am Mobbing sind, also mit Schuldzuschreibungen als „Sündenbockmentalität“, muss ich bei Vorträgen, Workshops und Seminaren entschieden entgegen treten.

Mobbing braucht als eine Grundvoraussetzung einen „Zwangskontext“. Das heißt, eine Gruppe, eine Klasse, eine Abteilung, zu der man „zugewiesen“ wird und aus der man nicht so einfach weggehen kann; das beginnt schon in der Familie bzw. im Kindergarten!

Aus diesem vielfach mehrjährigen Zwangskontext und der damit geformten Peergroup, kann – wenn zwischen einzelnen Personen und der Gruppe ein Machtungleichgewicht identifiziert wird – Mobbing entstehen. Das wiederum führt zu Ängsten, Schmerzen, Fehlstunden, Krankenhausaufenthalten uam.

Schulen sind also nicht schuld am Mobbing; sondern das System „Zwangskontext“, das allerdings in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft existiert, ermöglicht Mobbing erst.

Bei internalisierenden Reaktionen (z. B. Rückzug, Ängste, Schuldgefühle, depressive Stimmung) leiden viele Mädchen still, während selbstverletzendes Verhalten kein „Aufmerksamkeitsproblem“, sondern ein ernstes Stress- und Regulationssignal ist. Auch bei Kindern ist fachliche Hilfe notwendig. Hier gilt: Mein Kind zeigt mit seinem Verhalten, dass etwas zu viel ist – nicht, dass es „falsch“ ist.

Viele gemobbte Buben/Burschen leiden unter externalisierendem Stress – sie zeigen Wut, Provokation, Regelverstöße oder körperliche Aggression. Das führt häufig dazu, dass ihr Leid übersehen und ihr Verhalten sanktioniert statt verstanden wird.

Dem Buben / dem Burschen zu helfen bedeutet: Aggression als Signal zu interpretieren und nicht als Charakterproblem!

Gerade bei Mobbing erleben viele Buben:

  • Gesichtsverlust
  • Kränkung ohne Sprache
  • keine sozial akzeptierte Möglichkeit, Schwäche zu zeigen

Beziehung vor Verhalten
Nicht mit Moral beginnen, sondern mit Beziehung: „Ich sehe, wie wütend du bist. Da muss gerade viel los sein!"

Gefühle übersetzen helfen
Viele Buben kennen nur zwei Zustände: okay oder explodiert. Hilfreich ist hier die Wut als Gefühl zu benennen "Oft steckt unter Wut auch Angst oder Verletzung." oder körperliche Wahrnehmung nutzen "Wo spürst du das? Wie stark?"

Handlungsfähigkeit statt Schuld:
Im Fokus darf nicht: „Du darfst das nicht“, sondern: „Was hilft dir, ohne dass du Ärger bekommst?“
Klare, kurze Strategien wären:
Raum verlassen, erwachsene Hilfe holen, körperliche Entladung (gezielt, erlaubt)
Vermeiden werden sollten:
Beschämung vor anderen, Etikettierung („der Aggressive“), reine Konsequenzen ohne Unterstützung.

  • Ruhig bleiben, auch wenn es schwerfällt
  • Nachfragen: „Was war heute besonders schlimm?“ (nicht nur: „Was hast du schon wieder gemacht?“)
  • Gefühle benennen helfen: „Das klingt, als wärst du sehr verletzt gewesen.“
  • Klare Grenzen setzen, ohne zu beschämen: „Ich verstehe deine Wut. Gewalt geht trotzdem nicht.“

Jetzt kommt noch die "Schule" ins Spiel, die sich – das sind meine Erfahrungen – lieber von solchen Buben/Burschen trennt, weil es kaum Erfahrungen zu internalisierenden Reaktionen gibt und es neben der Geduld auch ein externes Expert:innen-Wissen braucht, denn vielfach ist das aggressive Verhalten bei Buben/Burschen, eine sekundäre Reaktion auf "chronische" soziale Bedrohung durch Mobbing.

Was Schule konkret tun kann
Umdeuten statt eskalieren, d.h. Aggression nicht isoliert bewerten, sondern immer prüfen "Wo wird der Bub/Bursche provoziert?", "Wo verliert er Status oder Sicherheit?"
Zuerst Schutz, dann Gespräche und klare Maßnahmen wie, verbesserte/erhöhte Aufsicht und eine neue Struktur in den Pausen, eine Entlastung von ständiger Rechtfertigung, denn: ohne Schutz gibt es und kann es keine Verhaltensänderung geben.

Von Mobbing betroffene Buben brauchen daher vorhersehbare Regeln, eine ruhige Autorität und das beenden von Mobbing und Machtkämpfen in der Klasse!

Unwirksame und schadende Verhalten sind:
Dass ausschließliche Sanktionieren, eine stigmatisierende Individualisierung „Er ist halt aggressiv“, eine folgende Täter-Opfer-Umkehr sowie Appelle an Selbstkontrolle, ohne Hilfen anzubieten.

Leitgedanken für Pädagog:innen und Schulleiter:innen wären:

  • Aggression ist eine Sprache, kein Charakterfehler;
  • Buben brauchen Würde UND Grenzen;
  • das Verhalten ändert sich erst, wenn Sicherheit gegen Mobbing entsteht und
  • Mobbing ist kein individuelles, sondern ein systemisches, phasenorientiertes und gruppendynamisches Gewaltphänomen in Schulklassen als Zwangskontexte.

Das ist eine "klassische" Aussage von Kindern und Jugendlichen, weil sie – und das ist tatsächlich real – davon ausgehen, dass es dann noch schlimmer oder schlechter (das sagen die Kinder) wird.

Die komplexen Gründe dafür sind im Zwangskontext Kindergartengruppe bzw. Schulklasse zu suchen. Kinder erlernen schon sehr früh (Kindergartengruppe oder Geschwister), dass "Petzen" Folgen nach sich zieht und es für sie dann durch Mobbing, Gewalt ... noch schlimmer wird.

Wesentlich für dieses Verhalten sind die Eltern, die noch während ihrer emotionalen Phase sofort Schuldige – Pädagog:innen, Schulleiter:innen, andere Eltern und Kinder ... – finden und durch das unreflektierte "Öffentlichmachen", ihre Kinder zu "Petzer:innen" stempeln und dadurch selbst die Souveränität ihres Kindes, ihrer Kinder, in der Gruppe bzw. Klasse zerstören.

Wenn also Kinder sagen: "Bitte sage nichts weiter, damit es nicht schlimmer wird!" liegt darin die Angst der Kinder vor ihren Eltern und den unreflektierten emotionalen Handlungen. Meine Bitte an Eltern ist daher immer, dem Kind zu zeigen und zu beweisen, dass – auch wenn ich beispielsweise als Mama/Papa wütend bin – ich solange nichts unternehme, bis ich als Erwachsener wieder klar und konstruktiv denken kann.

Dann allerdings wäre es sinnvoll, gemeinsam mit dem Kind Strategien zu überlegen, damit es eben nicht schlimmer/schlechter wird und das Kind auch nicht als Petze:r dasteht. Das ist deshalb nicht sehr leicht, weil es im Schulumfeld, nach wie vor wenig bis gar kein Wissen über das phasenorientierte und gruppendynamische Gewaltphänomen Mobbing gibt und daher die pädagogischen und schulischen Reaktionen genau die gleiche Stigmatisierung und Verschlimmerung der Mobbingsituation im Zwangskontext Klasse bewirken.

Daher müssten zuerst die Eltern "Das Richtige, richtig machen!" und dann ebenfalls die Pädagog:innen bzw. die Schulen "Das Richtige, richtig machen!", um die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu schützen und a) mit einer Strategie, die auch gar keinen Fall einen Bezug zur Schülerin, zum Schüler haben darf oder b) mit einer systemischen Mobbing-Prävention und -Intervention den Ist-Zustand der Klasse samt präventiven, sozialen und intervenierenden Maßnahmen, die dissoziale in der Klasse in eine prosoziale Wertehaltung reaktivieren zu lassen.

Mobbing ist zwar ein vielgebrauchtes Wort, aber ein sehr komplexes Thema, das sowohl von den Eltern und auch von den Pädagog:innen viel Wissen gebart mit Empathie und Lösungskompetenzen abverlangt, das in Österreich kaum bis gar nicht gelehrt wird.

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Pädagog:innen und Schulleiter:innen sind nicht auf das phasenorientierte und gruppendynamische Gewaltphänomen Mobbing vorbereitet und geschult und versuchen mit einem Verhalten, das zumeist den Kindern schadet, den gedachten bzw. vermuteten Streit oder Konflikt zu lösen.

Mobbing ist aber ein gruppendynamisches Phänomen, das a) in den meisten Fällen unsichtbar ist, weil sich niemand in der Klasse getraut darüber zu reden und b) kann nur professionell in und mit der Klasse gelöst werden; d.h., ein dissozialer Werterahmen wird in einen prosozialen Werterahmen reaktiviert.

Viele Pädagog:innen und Schulleiter:innen sind dankbar für das Aufzeigen durch die Eltern und ein professionelles sowie wirksames 8, 9 oder 10 Stunden "Achtung-Mobbing!"-Training, weil sich damit nicht nur das Lernverhalten der Kinder oder Jugendlichen, sondern auch das Lehrverhalten verbessert.

Leider gibt es nach wie vor einzelne Schulleiter:innen und Pädagog:innen, die – weil sie das durch die Kinder und Jugendlichen verschwiegene Mobbing nicht sehen, hören und spüren – auch kein Mobbing wahrnehmen und daraus den (falschen) Schluss ziehen, dass es das nicht in ihrer Klasse bzw. Schule gibt und leider gibt es auch Schulleiter:innen, denen der Ruf der Schule wichtiger ist, als der Schutz der Kinder und Jugendlichen in ihrer Schule.

Hier wird es allerdings schwierig, Kindern und Jugendlichen zu helfen, sodass wir für 2026 durchaus auch Straf- und Zivilrechts-Anzeigen gegen Schulleiter:innen, Beamt:innen von Behörden bis hin zu Politiker:innen andenken werden müssen. Solche Schulen sind für mich gefährliche Organisationen, die weder dem Kinderschutzgesetz-Gedanken, noch der Fürsorgepflicht entsprechen.

In solchen Fällen wäre es wichtig, dem Kind, der:m Jungendlichen zu empfehlen, ein Mobbing-Tagebuch zu führen, alles schriftlich zu dokumentieren, wenn vorhanden, den Elternverein einzuschalten und bei Bedarf alles den Bildungsbehörden bzw. der Bildungspolitik zu übermitteln und wenn alle Verantwortlichen den sprichwörtlichen "Kopf in den Sand stecken", auch die Presse bzw. das Bildungsministerium zu kontaktieren.

Es wäre auch wichtig, die eigenen Emotionen in den Griff zu bekommen, nach wie vor nach Lösungen und nicht nach Schuldigen zu suchen und für die Tochter, den Sohn, eine:n Psycholog:in, eine:n Psychotherapeut:in aufzusuchen, um zu versuchen, die mit Sicherheit erlernten Bewältigungsstrategien, zu "entlernen".

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Zuerst ist es wichtig als Eltern davon zu erfahren, weil Kinder ab dem Kindergarten "gelernt" haben, selbst Bewältigungsstrategien anzuwenden, weil sie sich von Eltern – und auch von (Elementar-)Pädagog:innen – wenig wirksame Hilfe erwarten.

Das hat damit zu tun, dass Kinder ab der Kindergartengruppe als Zwangskontext (Zwangsgemeinschaft) "lernen", dass es besser ist, Eltern nichts davon zu erzählen, weil sie – durchaus berechtigterweise – davon ausgehen, dass es dann noch schlimmer/schlechter (Zitat von Kindern) wird.

Sie helfen ihrem Kind am besten, wenn sie es autoritativ erziehen, sich regelmäßig zusammensetzen und aktiv zuhören. Bei Kindern im Kindergarten oder in der Volksschule wäre es am Abend gut oder z.B. wöchentlich als Art "Familienrat", bei dem Sie selbst beginnen von sich zu erzählen und dann erst das Kind bitten, auch über die letzte Woche zu erzählen, denn dadurch würden Sie eine Struktur oder einen Prozess, wie z.B. Mobbing erkennen können.

Wenn Kinder dann erzählen, werden sie sagen: "Bitte du darfst das aber nicht weitererzählen oder jemanden erzählen!" weil die Angst, dass Sie als Mama oder Papa das öffentlich machen und es dann für das Kind im Zwangskontext schlimmer/schlechter wird, ist real.

Das heißt, Sie sollten ihrem Kind schon von klein auf zu verstehen geben, dass Sie mit ihren eigenen Emotionen selbst gut fertig werden und an einer gemeinsamen Lösungsstrategie und nicht daran, jemanden die Schuld dafür zu geben, interessiert sind. Wenn Sie so das Vertrauen ihres Kindes an ihre Reaktionsbereitschaft erhöhen, wird es auch bereit sein, mit Ihnen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Ein Thema bleibt allerdings immer bestehen: Die Reaktionen der (Elementar-)Pädagog:innen und der Schulleiter:innen. Mangels Wissen über das phasenorientierte und gruppendynamische Gewaltphänomen Mobbing, wird hier vorwiegend falsch und somit zum massiven psychischen Nachteil ihres Kindes gehandelt. Das heißt, Sie müssen als Eltern hier zusätzlich in eine Eltern-Gruppe-Klasse-Schule-Strategie investieren, sonst passiert in der Kindergartengruppe bzw. Schulklasse die zu rasche "Veröffentlichung" des Themas, das wiederum zu einer "Sekundärviktimisierung" ihre Kindes führt.

Sekundärviktimisierung meint, dass ein Kind/Jugendliche:r als Opfer durch die falsche Reaktion nochmals Opfer wird und Mobbing zu- statt abnimmt. Ihr Kind wird sich durch diesen "Lernprozess" noch mehr zurückziehen und während Sie als Mama/Papa und die Pädagog:innen glauben, das Thema gelöst zu haben, hat es die Schule verschlimmert. Die Folge ist, dass ihr Kind – und auch die ganze Klasse – sich hüten wird, wieder davon zu erzählen.

Mobbing ist ein sehr komplexes Gewaltthema, für das man zur theoretischen Fundierung, ausreichende Aus-, Fort- und Weiterbildungen braucht, das nur in und mit der Klasse bewältigt werden kann – und dazu reichen keine drei-/vierstündigen Workshops – und für das man zusätzlich eine persönliche Haltung und eine emphatische, vertrauensvolle und authentische Persönlichkeit mitbringen muss.

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Entscheidend ist, dass Kinder lernen, dass ihre Eltern sich Zeit nehmen, aktiv zuhören, bewertungsfreie Frage stellen, mit ihren eigenen Emotionen selbst gut umgehen können und im Falle des Falles gemeinsam nach Lösungen suchen.

Wenn die Kinder Ihnen vertrauen, dass sie auch bei unangenehmen Informationen und Situationen, nicht die Nerven verlieren, sondern zuerst ihre eigenen Emotionen in den Griff kriegen, werden sie Ihnen auch von Mobbing uam. erzählen, denn ihre größte und berechtigte Angst ist, dass Sie nicht nach Lösungen, sondern sofort und öffentlich nach Schuldigen suchen und damit ihrem eigenen Kind massiv schaden.

Schaden deshalb, weil es gravierende Unterschiede zwischen einem Streit, einem Konflikt oder Mobbing in einem Zwangskontext – Kindergartengruppe und Schulklasse – gibt und Sie – wenn Sie unbedacht und oft auch unwissend handeln – Mobbing und zeitgleich die Schweigemauer, verstärken.

Daher wäre hier mein Tipp, dass Sie sich regelmäßig mit ihren Kindern zusammensetzen, beispielsweise einmal wöchentlich, Sie mit ihrem eigenen Feedback zu dieser Woche beginnen und dann die Kinder bitten, auch über ihre Erfahrungen zu erzählen.

Wenn ihre Kinder spüren, dass sie Ihnen alles erzählen dürfen, ohne dass Sie "explodieren", sondern zuerst ihre Emotionen bewältigen und dann behutsam gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen, werden die Kinder bereit für's Erzählen sein.

Dazu müssen allerdings Sie als Mama und Papa selbst bereit sein!

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Mobbing beginnt oft nicht erst in der Volksschule, sondern Kinder nehmen ihre Erfahrungen aus der Kindergartengruppe in die Volksschule mit.

a) Mobber:innen: Kinder haben bereits in zwei bis drei Kindergartenjahren gelernt, wie sie ihre nicht ausreichend erfüllten psychischen Grundbedürfnisse mit dissozialen Haltungen und Handlungen verbessern können und hier sind es im Zwangskontext Kindergartengruppe bzw. Schulklasse, die Grundbedürfnisse Aufmerksamkeit, Anerkennung, Macht, Spaß und Selbstwirksamkeit die erfüllt werden.

b) "Mobbing-Opfer": Ich spreche mit den Kindern von "Betroffenen", muss das aber sehr oft erklären, weil ihnen dieser Begriff unbekannt ist. Auch betroffene Kinder haben in der Kindergartengruppe eine Anpassungs- und Vermeidungsstrategie (Bewältigungsstrategie) erlernt, um im Zwangskontext "überleben" zu können.

c) Kinder stärken: Das bedeutet, dass ziemlich sicher bereits in der 1. Volksschulklasse Kinder mit Mobbingerfahrungen sowohl als Mobber:in, als auch als Betroffene sitzen. Das zeichnet nicht nur meine tägliche Erfahrung in ganz Österreich nach, sondern auch die neue Studie, die europaweit auf Mobbingerfahrungen zwischen 11 und 15 Prozent hinweist.

d) Wenn also Mobbing in der Volksschule passiert – und davon ist vorwiegend auszugehen – braucht die Klasse eine systemische Mobbing-Prävention und -Intervention im Ausmaß von 2 x 4 oder 3 x 3 Stunden, um den Ist-Zustand der Phasen (Test-, Konsolidierungs-, Manifestations-Phase) mit und über die Kinder bzw. der Klasse zu erheben und dann die passenden Methoden einzusetzen.

Zum Stärken ihres Kindes gilt auch hier, als emotionale Bezugsperson zur Verfügung zu stehen, ein regelmäßiger Austausch mit Kind, Klassenlehrerin und Eltern und die Wahrnehmung über Veränderungen der Gefühlslage des Kindes. Das können immer öfter auftretende Bauch- und Kopfschmerzen sein, Angstzustände, Schlafstörungen, Angst in die Schule zu gehen, Vereinsamung bzw. fehlende soziale Kontakte, weil niemand mehr einer Einladung folgt oder das Kind nicht mehr eingeladen wird.

Leider "übersehen" viele Eltern solche Veränderungen, weil sie einerseits oft überfordert sind oder sich andererseits zu viel um sich selbst kümmern und so oft Gefühle wie Traurigkeit, Angst, Hilflosigkeit, aber auch Wut übersehen. Ein Mädchen aus einer 3. Klasse Volksschule hat mir dazu gesagt: "Ich fühle mich nutzlos!"

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Dazu brauchen die Kinder in erster Linie die Eltern:

  1. eine autoritative Erziehung bevorzugen;
  2. als emotional verfügbare Bezugspersonen zur Verfügung stehen;
  3. Zeit zum aktiven Zuhören;
  4. Wahrnehmen von psychischen – und auch physischen – Veränderungen;
  5. die eigene Emotionalität darf nicht über die Kinder "ent-sorgt" werden;
  6. gemeinsame Lösungsansätze statt Schuldzuweisungen;
  7. sich mit dem komplexen Thema Mobbing auseinandersetzen;
  8. Kooperation mit der Schule und den Eltern;
  9. bei Zwangskontexten das "Richtige, richtig machen!" und
  10. auch bereit sein, zur Stärkung des Kindes das eigene Verhalten zu reflektieren!

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Gar nicht erst zum Opfer werden, ist schwierig, weil Mobbing – um als phasenorientiertes und gruppendynamisches Gewaltphänomen qualifiziert zu sein – auf fünf Merkmalen beruht und von den Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen Gründen so lange wie möglich verschwiegen wird.

  1. Zwangskontext: Sobald die Tochter in eine Kindergartengruppe kommt, ist der Punkt 1 "Zwangskontext", also Zwangsgemeinschaft" erfüllt.
  2. Machtungleichgewicht: Wenn es in dieser Gruppe und dann später in einer Klasse ein Mädchen oder einen Buben gibt, dessen psychischen Grundbedürfnisse von den Eltern nicht ausreichend erfüllt wurde – und leider werden es immer mehr Kinder – ist die Gefahr groß, dass sich dieses Mädchen, dieser Bub, ein anderes Kind sucht, um beispielsweise mit Schupfen, Ausschließen, Beleidigen, etwas kaputt machen oder wegnehmen ... ein wesentliches erstes Grundbedürfnis, nämlich "Selbstwirksamkeit" zu erfüllen. Wenn die Tochter nicht durch Sie auf solche Situationen, Entwicklungen, Strukturen, Prozesse vorbereitet wurde (z.B. einem autoritativen Erziehungsstil) wird sie nicht wissen, wie sie sich verhalten soll. Wenn Sie dann als Mama/Papa nicht aufmerksam genug sind und auch die Not der Tochter nicht wahrnehmen, wird sie schon zum "Opfer".
  3. Wiederholung: Mobbing braucht, um als Mobbing "durchzugehen", auch Wiederholung. Daher ist es für Sie als Mama/Papa wichtig, richtig, also bewertungsfrei nachzufragen: 1. "Wie geht es dir, wie fühlst du dich?", 2. "Wann hat "es" begonnen bzw. wie lange dauert das schon und wer ist daran beteiligt?", 3. "Wie lösen wir das gemeinsam wirksam?" und 4. "Was würdest du dir wünschen?" Wenn jetzt der Adrenalinspiegel steigt und in Ihnen die Emotionen hochkommen, liegt es an Ihnen selbst, mit den eigenen Emotionen fertig zu werden, ohne dass Sie dazu, jemanden anrufen, das Thema öffentlich machen oder gleich einen oder mehrere Schuldige:n parat haben.
  4. Absicht: Das, was dieses Mädchen oder der Bub tut ist reine Absicht und dient dazu, die eigenen nicht ausreichend erfüllten psychischen Grundbedürfnisse, wie Aufmerksamkeit, Anerkennung, Macht, Spaß und Selbstwirksamkeit zu erfüllen. Daher gilt für mich das leicht abgewandelte Zitat von Alfred Adler: "Kinder, die Schwierigkeiten machen, haben solche!"
  5. Hilflosigkeit: Wenn ihre Tochter nicht die Hilfe bekommt, die wirksam das Mobbing in der Kindergartengruppe bzw. Schulklasse beendet, wird es bei ihrer Tochter zu einer erlebten Hilflosigkeit kommen. Da niemand Ohnmacht oder Hilflosigkeit auf Dauer aushalten kann, haben kindliche und auch erwachsene Opfer die Strategie, sich selbst die Schuld an dem was passiert zu geben. Die Folge daraus ist, dass ich nicht mehr um Hilfe suche!

Das heißt für Sie als Mama/Papa: Zuerst braucht ihre Tochter Sie als dauerhaft emotional verfügbare Bezugspersonen, dann einen autoritativen Erziehungsstil, einen regelmäßigen wertschätzenden Austausch mit aktivem Zuhören, eine möglichst gute Kooperation mit der (Elementar-)Pädagog:in und den Eltern und ganz besonders eine Lösungskompetenz statt Schuldzuweisungen.

PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at

Günther Ebenschweiger

Am besten mit einer autoritativen Erziehung; d.h. „hart und herzlich“ oder „konsequent und wertschätzend“ und einer ausreichenden „Portion“ Achtsamkeit mit Zuhören, Lob, Partizipation und gemeinsamen Lösungsansätzen, damit auftretendes Mobbing schon in der „Testphase“ erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Wenn ein junger Mensch schon Opfer geworden, braucht es Eltern (und das gleiche gilt auch für PädagogInnen) die richtig reagieren. Richtig reagieren bedeutet, keine Vorwürfe zu machen und keine schnellen Reaktionen, sondern einen – ich nenne es – unaufgeregten Zugang zum Gewaltphänomen Mobbing.

Zitat eines 17jährigen mehrjährigen Mobbingopfers, auf die Frage, warum er seinen Eltern nichts davon erzählt hat: „Wenn ich es meinen Eltern erzähle, flippen die garantiert aus, machen mir als erstes Vorwürfe, rufen dann die MobberInnen-Eltern an und machen denen Vorwürfe und morgen rennen sie in die Schule und „plärren“ den Direktor und die Klassenlehrerin an und dann Hr. Ebenschweiger, dann sinkt mein Standing in der Peergroup ins Bodenlose!“

Der junge Mann hat recht; damit zerstören die Eltern die Souveränität des Jugendlichen in der Peergroup und – wenn der gruppendynamische Prozess nicht unterbrochen wird – wird es für Opfer noch schlimmer.