Mein Kind wurde in einer MS gemobbt. Wir haben die Schule gewechselt. Was können wir tun, damit unser Kind nicht wieder Opfer wird?
Kinder – in diesem Fall ein:e Jugendliche:r – erlernen bereits im Kindergartenalter Bewältigungsstrategien gegen Ausgrenzung und Mobbing, weil mehrere entwicklungs-, sozial- und umweltbezogene Faktoren gleichzeitig wirken. Das geschieht meist unbewusst, ist aber für ihre weitere Entwicklung sehr prägend.
Soziale Gruppenerfahrungen beginnen sehr früh
Im Kindergarten erleben Kinder zum ersten Mal stabile Peer-Gruppen. Zugehörigkeit bedeutet Sicherheit, Spielmöglichkeiten und Anerkennung. Schon kleine Formen von Ausgrenzung („Du darfst nicht mitspielen“) erzeugen emotionalen Stress und Kinder reagieren darauf mit ersten Anpassungs- oder Schutzstrategien.
Kinder besitzen zwar noch keine reflektierten Strategien, aber ihr Nervensystem reagiert klar mit früh entwickelte Stress- und Schutzmechanismen, wie Rückzug oder Verstummen, übermäßiges Anpassen („Ich mache alles, damit ich dazugehören darf“), Aggression oder Gegenangriff oder auch Vermeidung bestimmter Kinder oder Situationen und diese Reaktionen sind Überlebensstrategien, kein „Fehlverhalten“.
Das heißt: Bewältigungsstrategien entstehen durch Lernen am sozialen Erfolg oder Misserfolg!
Mein Rat beim Klassen- oder Schulwechsel ist:
Kinder oder Jugendliche, die Mobbingerfahrungen bereits in einer Konsolidierungsphase gemacht haben – es gibt nicht nur eine Mobberin oder einen Mobber, sondern bereits eine Gruppe von Schüler:innen, die da mitmachen – brauchen a) persönlich psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung und b) für die neue Klasse einen Start mit zumindest zwei Buddies, also Schüler:innen, die sie in die neue Klasse einführen und sie somit in der vorhandenen Gruppendynamik unterstützen. Das ist deshalb wichtig, weil sich sonst das Mädchen oder der Bub – nach den Worten der Schüler:innen – seltsam, komisch, arrogant verhält und die Gefahr sehr groß ist, wieder zum Mobbing-Betroffenen zu werden.
Dazu sollte zuerst mit der Klassenvorständin, dem Klassenvorstand, Kontakt aufgenommen werden, dass Thema Mobbing sollte angesprochen werden, darf aber unter keinen Umständen erwähnt werden. Die:der verantwortliche Pädagog:in sollte sich auch mit den beiden Buddies regelmäßig austauschen und auch nur bei kleinsten Warnsignalen sofort reagieren.
Meine Haltung ist die, dass, bevor Schüler:innen die Klasse bzw. die Schule verlassen (müssen), mit einem „Achtung-Mobbing!“-Training das Mobbing beendet wird und in massiven Fällen, nicht die Opfer, sondern die Mobber:innen die Klasse bzw. Schule zu verlassen haben.
Das Herausnehmen eines Mobbing-Opfers hat nämlich fatale Folgen für das junge Opfer, es wird durch diese Handlung „sekundärviktimisiert“, also als Opfer, nochmals zum Opfer, die übrige Klasse hat „gelernt“, dass – wenn ich es sage – mein soziales Umfeld verlassen werde müssen und die Mobber:innen haben gelernt, dass sie „unverwundbar“ sind und sich sofort ein neues Mobbing-Opfer suchen!
PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at
Günther Ebenschweiger