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Unser Sohn, 12, wird in der Klasse immer aggressiver. Kann das mit Mobbing zu tun haben?

Bei internalisierenden Reaktionen (z. B. Rückzug, Ängste, Schuldgefühle, depressive Stimmung) leiden viele Mädchen still, während selbstverletzendes Verhalten kein „Aufmerksamkeitsproblem“, sondern ein ernstes Stress- und Regulationssignal ist. Auch bei Kindern ist fachliche Hilfe notwendig. Hier gilt: Mein Kind zeigt mit seinem Verhalten, dass etwas zu viel ist – nicht, dass es „falsch“ ist.

Viele gemobbte Buben/Burschen leiden unter externalisierendem Stress – sie zeigen Wut, Provokation, Regelverstöße oder körperliche Aggression. Das führt häufig dazu, dass ihr Leid übersehen und ihr Verhalten sanktioniert statt verstanden wird.

Dem Buben / dem Burschen zu helfen bedeutet: Aggression als Signal zu interpretieren und nicht als Charakterproblem!

Gerade bei Mobbing erleben viele Buben:

  • Gesichtsverlust
  • Kränkung ohne Sprache
  • keine sozial akzeptierte Möglichkeit, Schwäche zu zeigen

Beziehung vor Verhalten
Nicht mit Moral beginnen, sondern mit Beziehung: „Ich sehe, wie wütend du bist. Da muss gerade viel los sein!“

Gefühle übersetzen helfen
Viele Buben kennen nur zwei Zustände: okay oder explodiert. Hilfreich ist hier die Wut als Gefühl zu benennen „Oft steckt unter Wut auch Angst oder Verletzung.“ oder körperliche Wahrnehmung nutzen „Wo spürst du das? Wie stark?“

Handlungsfähigkeit statt Schuld:
Im Fokus darf nicht: „Du darfst das nicht“, sondern: „Was hilft dir, ohne dass du Ärger bekommst?“
Klare, kurze Strategien wären:
Raum verlassen, erwachsene Hilfe holen, körperliche Entladung (gezielt, erlaubt)
Vermeiden werden sollten:
Beschämung vor anderen, Etikettierung („der Aggressive“), reine Konsequenzen ohne Unterstützung.

  • Ruhig bleiben, auch wenn es schwerfällt
  • Nachfragen: „Was war heute besonders schlimm?“ (nicht nur: „Was hast du schon wieder gemacht?“)
  • Gefühle benennen helfen: „Das klingt, als wärst du sehr verletzt gewesen.“
  • Klare Grenzen setzen, ohne zu beschämen: „Ich verstehe deine Wut. Gewalt geht trotzdem nicht.“

Jetzt kommt noch die „Schule“ ins Spiel, die sich – das sind meine Erfahrungen – lieber von solchen Buben/Burschen trennt, weil es kaum Erfahrungen zu internalisierenden Reaktionen gibt und es neben der Geduld auch ein externes Expert:innen-Wissen braucht, denn vielfach ist das aggressive Verhalten bei Buben/Burschen, eine sekundäre Reaktion auf „chronische“ soziale Bedrohung durch Mobbing.

Was Schule konkret tun kann
Umdeuten statt eskalieren, d.h. Aggression nicht isoliert bewerten, sondern immer prüfen „Wo wird der Bub/Bursche provoziert?„, „Wo verliert er Status oder Sicherheit?“
Zuerst Schutz, dann Gespräche und klare Maßnahmen wie, verbesserte/erhöhte Aufsicht und eine neue Struktur in den Pausen, eine Entlastung von ständiger Rechtfertigung, denn: ohne Schutz gibt es und kann es keine Verhaltensänderung geben.

Von Mobbing betroffene Buben brauchen daher vorhersehbare Regeln, eine ruhige Autorität und das beenden von Mobbing und Machtkämpfen in der Klasse!

Unwirksame und schadende Verhalten sind:
Dass ausschließliche Sanktionieren, eine stigmatisierende Individualisierung „Er ist halt aggressiv“, eine folgende Täter-Opfer-Umkehr sowie Appelle an Selbstkontrolle, ohne Hilfen anzubieten.

Leitgedanken für Pädagog:innen und Schulleiter:innen wären:

  • Aggression ist eine Sprache, kein Charakterfehler;
  • Buben brauchen Würde UND Grenzen;
  • das Verhalten ändert sich erst, wenn Sicherheit gegen Mobbing entsteht und
  • Mobbing ist kein individuelles, sondern ein systemisches, phasenorientiertes und gruppendynamisches Gewaltphänomen in Schulklassen als Zwangskontexte.