Was soll ich tun, wenn mein Kind sagt, ich soll NICHTS tun, denn dann wird alles noch viel SCHLIMMER?
Das ist eine „klassische“ Aussage von Kindern und Jugendlichen, weil sie – und das ist tatsächlich real – davon ausgehen, dass es dann noch schlimmer oder schlechter (das sagen die Kinder) wird.
Warum ist das so?
Die komplexen Gründe dafür sind im Zwangskontext Kindergartengruppe bzw. Schulklasse zu suchen. Kinder erlernen schon sehr früh (Kindergartengruppe oder Geschwister), dass „Petzen“ Folgen nach sich zieht und es für sie dann durch Mobbing, Gewalt … noch schlimmer wird.
Wesentlich für dieses Verhalten sind die Eltern, die noch während ihrer emotionalen Phase sofort Schuldige – Pädagog:innen, Schulleiter:innen, andere Eltern und Kinder … – finden und durch das unreflektierte „Öffentlichmachen“, ihre Kinder zu „Petzer:innen“ stempeln und dadurch selbst die Souveränität ihres Kindes, ihrer Kinder, in der Gruppe bzw. Klasse zerstören.
Wenn also Kinder sagen: „Bitte sage nichts weiter, damit es nicht schlimmer wird!“ liegt darin die Angst der Kinder vor ihren Eltern und den unreflektierten emotionalen Handlungen. Meine Bitte an Eltern ist daher immer, dem Kind zu zeigen und zu beweisen, dass – auch wenn ich beispielsweise als Mama/Papa wütend bin – ich solange nichts unternehme, bis ich als Erwachsener wieder klar und konstruktiv denken kann.
Dann allerdings wäre es sinnvoll, gemeinsam mit dem Kind Strategien zu überlegen, damit es eben nicht schlimmer/schlechter wird und das Kind auch nicht als Petze:r dasteht. Das ist deshalb nicht sehr leicht, weil es im Schulumfeld, nach wie vor wenig bis gar kein Wissen über das phasenorientierte und gruppendynamische Gewaltphänomen Mobbing gibt und daher die pädagogischen und schulischen Reaktionen genau die gleiche Stigmatisierung und Verschlimmerung der Mobbingsituation im Zwangskontext Klasse bewirken.
Daher müssten zuerst die Eltern „Das Richtige, richtig machen!“ und dann ebenfalls die Pädagog:innen bzw. die Schulen „Das Richtige, richtig machen!“, um die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu schützen und a) mit einer Strategie, die auch gar keinen Fall einen Bezug zur Schülerin, zum Schüler haben darf oder b) mit einer systemischen Mobbing-Prävention und -Intervention den Ist-Zustand der Klasse samt präventiven, sozialen und intervenierenden Maßnahmen, die dissoziale in der Klasse in eine prosoziale Wertehaltung reaktivieren zu lassen.
Mobbing ist zwar ein vielgebrauchtes Wort, aber ein sehr komplexes Thema, das sowohl von den Eltern und auch von den Pädagog:innen viel Wissen gebart mit Empathie und Lösungskompetenzen abverlangt, das in Österreich kaum bis gar nicht gelehrt wird.
PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at
Günther Ebenschweiger