Wie kann ich meine Tochter schützen, dass sie gar nicht erst zum Opfer wird?
Gar nicht erst zum Opfer werden, ist schwierig, weil Mobbing – um als phasenorientiertes und gruppendynamisches Gewaltphänomen qualifiziert zu sein – auf fünf Merkmalen beruht und von den Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen Gründen so lange wie möglich verschwiegen wird.
- Zwangskontext: Sobald die Tochter in eine Kindergartengruppe kommt, ist der Punkt 1 „Zwangskontext“, also Zwangsgemeinschaft“ erfüllt.
- Machtungleichgewicht: Wenn es in dieser Gruppe und dann später in einer Klasse ein Mädchen oder einen Buben gibt, dessen psychischen Grundbedürfnisse von den Eltern nicht ausreichend erfüllt wurde – und leider werden es immer mehr Kinder – ist die Gefahr groß, dass sich dieses Mädchen, dieser Bub, ein anderes Kind sucht, um beispielsweise mit Schupfen, Ausschließen, Beleidigen, etwas kaputt machen oder wegnehmen … ein wesentliches erstes Grundbedürfnis, nämlich „Selbstwirksamkeit“ zu erfüllen. Wenn die Tochter nicht durch Sie auf solche Situationen, Entwicklungen, Strukturen, Prozesse vorbereitet wurde (z.B. einem autoritativen Erziehungsstil) wird sie nicht wissen, wie sie sich verhalten soll. Wenn Sie dann als Mama/Papa nicht aufmerksam genug sind und auch die Not der Tochter nicht wahrnehmen, wird sie schon zum „Opfer“.
- Wiederholung: Mobbing braucht, um als Mobbing „durchzugehen“, auch Wiederholung. Daher ist es für Sie als Mama/Papa wichtig, richtig, also bewertungsfrei nachzufragen: 1. „Wie geht es dir, wie fühlst du dich?“, 2. „Wann hat „es“ begonnen bzw. wie lange dauert das schon und wer ist daran beteiligt?“, 3. „Wie lösen wir das gemeinsam wirksam?“ und 4. „Was würdest du dir wünschen?“ Wenn jetzt der Adrenalinspiegel steigt und in Ihnen die Emotionen hochkommen, liegt es an Ihnen selbst, mit den eigenen Emotionen fertig zu werden, ohne dass Sie dazu, jemanden anrufen, das Thema öffentlich machen oder gleich einen oder mehrere Schuldige:n parat haben.
- Absicht: Das, was dieses Mädchen oder der Bub tut ist reine Absicht und dient dazu, die eigenen nicht ausreichend erfüllten psychischen Grundbedürfnisse, wie Aufmerksamkeit, Anerkennung, Macht, Spaß und Selbstwirksamkeit zu erfüllen. Daher gilt für mich das leicht abgewandelte Zitat von Alfred Adler: „Kinder, die Schwierigkeiten machen, haben solche!“
- Hilflosigkeit: Wenn ihre Tochter nicht die Hilfe bekommt, die wirksam das Mobbing in der Kindergartengruppe bzw. Schulklasse beendet, wird es bei ihrer Tochter zu einer erlebten Hilflosigkeit kommen. Da niemand Ohnmacht oder Hilflosigkeit auf Dauer aushalten kann, haben kindliche und auch erwachsene Opfer die Strategie, sich selbst die Schuld an dem was passiert zu geben. Die Folge daraus ist, dass ich nicht mehr um Hilfe suche!
Das heißt für Sie als Mama/Papa: Zuerst braucht ihre Tochter Sie als dauerhaft emotional verfügbare Bezugspersonen, dann einen autoritativen Erziehungsstil, einen regelmäßigen wertschätzenden Austausch mit aktivem Zuhören, eine möglichst gute Kooperation mit der (Elementar-)Pädagog:in und den Eltern und ganz besonders eine Lösungskompetenz statt Schuldzuweisungen.
PS: Bei dringenden Anfragen, kontaktieren Sie mich unter info@ebenschweiger.at
Günther Ebenschweiger